Wir sind letzten Samstag, 31.5. gut wieder in Innsbruck angekommen. Weg. Schlechtwetters bei unserer Hinreise könnten wir noch einige Tage in Nordisland nutzen um die dortige, wahnsinnig schöne Vulkanlandschaft zu erkunden. Wir hatten dann ab Freitag, 9.5.08 genau 3 Wochen Zeit um auf der dänischen Forschungsstation Zackenberg an der Nordostküste Grönlands unser geplantes Messprogramm zu absolvieren. Dank perfekter Wetterbedingungen konnten wir alle geplanten Messungen am benachbarten Frejagletschcher durchführen und sogar ein Zusatzprogramm einbauen.
We came safely back to Innsbruck from Greeland last Saturday 31 May. Due to bad weather conditions in Greenland on the way up, we had the chance to spend a few more days in northern Iceland with its fantastic volcano landscape. From Friday, 9 May on, our arrival day in Greenland, we had exactly 3 weeks of time in order to accomplish our measurement campaign at the danish research station Zackenberg, located at 74°N at the northeast coast of Greenland. Thanks to perfect weather conditions we were able to fullfil our entire program and to make some additional investigations…
MESSUNGEN AM FREJAGLETSCHER
Das Team aus Österreich setzte sich aus 3 Wiener (Bernhard Hynek, Gernot Weyss, Daniel Binder) und 2 Innsbrucker (Jakob Abermann, Marc Olefs) Glaziologen zusammen. Das Wiener Team hatte die Aufgabe am für Grönlandische Verhältnisse winzig kleinen Frejagletscher (Länge ca. 7 km) Eisdicken- und Akkumulationsmessungen durchzuführen. Für das Team Innsbruck standen schneechemische Analysen im Vodergrund. In dieser Gegend Grönlands, zwischen Küste und Inlandeis gibt es bisher nur sehr sperrliche Informationen über den genauen Zustand der dortigen Gletscher. Derartige Daten müssen aber möglichst flächendeckend vorhanden sein, um die Reaktion der grönlandischen Eismassen als Ganzes verstehen zu lernen. Vor uns waren erst einmal Forscher an diesem Gletscher unterwegs, es war eine schwedische Expedition im Jahre 1939/40, die hier die ersten Daten erhoben. Seit damals hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kein menschliches Wesen mehr seine Füße auf den Schnee und das Eis des Frejagletschers gesetzt. Viele Schritte, und ins Besondere jede Skispur in den umgebenden Hängen eine Erstbegehung (Befahrung – das ist schon ein ganz besonderes Gefühl!
Die Messungen des Wiener Teams sollen Aufschluss über die Gesundheit des Frejagletschers geben, seine “Massenbilanz” soll berechnet werden. Zudem möchten wir genau wissen wie viel Eis dort noch vorhanden ist. Die schneechemischen Analysen des Teams Innsbruck beinhalten Informationen über den Schmutzeintrag (natürlich und menschlich verursacht) der Schneedecke in dieser Region Grönlands. Die Proben müssen dem Gletscher in schweißtreibender Arbeit abgerungen werden. Viele Schneeschächte werden gegraben. Dank der guten Wetterverhältnisse können wir unsere Messungen auf eine benachbarte Eiskappe ausdehnen.
Measurements at Frejaglacier
The Team Austria was composed of 3 glaciologists from Vienna (Bernhard Hynek, Gernot Weyss, Daniel Binder) as well as 2 from Innsbruck (Jakob Abermann, Marc Olefs). The team from Vienna had the task to perform accumulation and ice thickness measurements at the Freja glacier, which is a very small glacier (length of 7 km) in the Greenlandic scale. Main task of the Innsbruck team was to investigate snow chemical composition and its evolution over time at different sites. In this region of Greenland between the coast and the huge inland Ice sheet, available glaciological data is really sparse. In order to completely understad the reaction of the Greenlandic ice masses , spatially high resolution datasets are needed. Therefore our work is a small next part of the puzzle. Before us, there was only one small swedish expedition, investigating Freja glacier. This dates back to the year 1939/40, since then we were most likely the first humans to touch again these snow and ice masses. Thats why we also realized some first ascents and descents by ski. A very special feeling!
The data gained by team Vienna should give informations about the health status of Freja glacier, the calculation of the mass balance. Additionally we need to know how much m³ of ice Freja is build of. The snow-chemical analysis of the team Innsbruck will tell something bout the impurity content (natural, anthropogenic origin) of the snow cover and upper ice layers in this region of Greenland. It is hard work, each snow sample has to be collected from a snowpit at different locations and in different depths of the snow for later analysis in the lab of Zackenberg station. Due to excellent weather conditions we were able to do some additional work at a nearby Ice cap.


ZUSATZPROGRAMM: OLSEN ICECAP
Wir entschlossen uns daher die 30 km nordwestlich gelegene Eiskappe namens A.P. Olsen zu erforschen (74°38’ N, 21°40’W). Letztere liegt ca. auf halbem Weg zwischen unserer Basisstation Zackenberg und dem riesigen grönländischen Inlandeis. Auf einem der größeren Auslassgletscher über die die Eismasse „ausrinnen“ kann, errichten wir am 21.5. und 22.5.08 unser Depot für Benzin und Ausrüstung. Die Dimensionen sind eine Nummer größer, ein Auslassgletscher allein ist gleich bis doppelt so groß wie der zuvor untersuchte Freya Gletscher, und das sind nur die „Tentakeln“ dieser „Riesenkrake“. Verglichen mit dem grönländischen Inlandeis ist die gesamte Eiskappe nur ein Farbklecks auf der Landkarte, für uns ist es ein riesiges Meer aus Eis, in dem man sich dank GPS und Kartenmaterial langsam immer besser orientieren kann.
ADDITIONAL PROGRAM: OLSEN ICECAP
We decided to go to the Olsen Icecap (74°38’ N, 21°40’W), some 30 km northwestern from Zackenberg, half way to the big Grennland Ice sheet (GIS). We accessed it via one of the biggest outlet glaciers, which, by its own, is double the size of the formerly investigated glacier Freja. Compared to the GIS, this is only a dot on the map, for us it is an immense sea of ice. Thanks to GPS and maps we slowly learn to orientate ourselves.
SIRIUS PATROUILLE
Während unserer Arbeit am Olsen Icecap erfreute uns der Besuch der SIRIUS Patrouille in der Station Zackenberg. Während des 2. Weltkrieges zum Schutz vor den Deutschen gegründet, setzt Dänemark diese militärischen Hundeschlittenteams immer noch zur regelmäßigen Patrouille an der kaum besiedelten Nordostküste Grönlands ein. In Daneborg, 25 km östlich von Zackenberg entfernt, liegt das heutige Hauptquartier dieser 12-Mann starken Spezialeinheit. Sechs Monate sind diese Teams pro Jahr insgesamt draußen unterwegs, 2 Mann und ca. 12 Hunde bilden jeweils ein Team, geschlafen wird die meiste Zeit im Zelt, ab und zu auch in den speziell eingerichteten Hütten am Ufer der Fjorde, bis zu 4.5 Monate am Stück sind sie im Herbst und Winter unterwegs. Eine einmalige Begegnung für uns, mit ganz besonderen Menschen und unglaublich menschenfreundlichen Hunden.
SIRIUS PATROL
During our work at Olsen Icecap, we are very lucky to welcome the SIRIUS patrol at our base camp in Zackenberg. This special unit, consisting of dog sledge teams from the danish military, was created during the 2nd world war in order to protect the Greelandic coast from the Germans. For traditional reasons, the east coast, which is hardly not populated, is still being patrolled by 6 of these teams today. They have their headquarters in Daneborg, some 25 km eastern of Zackenberg, our base camp. Each team is composed of 2 people and 12 dogs and spends 6 months per year with patroulling. They spend most of their nights in tents, sometimes also in small cabins near the fjords that are supplied by boat during summertime. They are up to 4.5 months in a row outside during autumn and winter, before coming home to Daneborg. A really unique encounter with very special people and surprinsingly human-friendly dogs!
ERFOLGREICHE BILANZ
Unser 3-wöchiger Aufenthalt hier an der Forschungsstation in Zackenberg war aus wissenschaftlicher Sicht ein voller Erfolg. Wir konnten unsere geplanten Messungen am Freya Gletscher auf grund der hervorragenden Logistik und der optimalen Bedingungen um diese Jahreszeit in recht kurzer Zeit durchführen und konnten die restliche Zeit für zusätzliche Messungen und Erkundungen nutzen, die eine optimale Basis für etwaige zukünftige Projekte schaffen. Die hervorragende Kooperation sowohl mit den Leitern der Forschungsstation als auch mit den hier arbeitenden dänischen Wissenschaftern in Verbindung mit den der guten Logistik läßt die Durchführung von weiteren Forschungsarbeiten im Bereich von Zackenberg als sinnvoll und anstrebenswert erscheinen.
SUCCESSFUL CAMPAIGN
From a scientifical point of view, the three weeks spent at the research station Zackenberg were a total success! Thanks to good working logistics and beautiful weather conditions, the planned measurements at Frejaglacier were accomplished very rapidly, paving the way for future research due to time saved for reconnaissence of new terrain and additional investigations gained in the field. The excellent cooperation with the Danish Polar Center and the danish researchers present at Zackenberg is greatly acknowledged at that point. Further research in the Zackenberg area is therefore aspired.
Das Team an der Forschungstation Zackenberg im Mai 2008 bestand aus uns 5 Österreichischen Glaziologen, einem dänischen Biologen (Martin Christensen), einer dänischen Geographin (Charlotte Sigsgaard) und unserem Logistikchef Jorgen Skafte.
The Zackenberg May 2008 Team was composed of 5 Austrian glaciologists, one danish biologist (Martin Christensen), one danish Geographer (Charlotte Sigsgaard) and of our logistic chief Jorgen Skafte of Danish Polar Center in Kopenhagen.
PERSÖNLICHES FAZIT
Aus persönlicher Sicht waren die 3 Wochen in Zackenberg sicherlich die intensivsten, die ich je erlebt habe. Nach Spitzbergen, wo wir das erste Mal richtige Wildnis schnuppern konnten, jedoch noch mit einem Schritt in der Zivilisation standen, war Grönland jetzt die nächste Steigerung. Wir waren selbst für alle Arbeiten verantwortlich, für unsere Sicherheit, und die Logistik unserer Messfahrten. Im Notfall gibt es keinen Rettungshubschrauber, der, wie hier in den Alpen in 30 Min. vor Ort sein kann, die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Satelittentelefon. Wenn der Skidoo nicht mehr funktioniert, man sich verletzt, oder man stecken bleibt, weil der Schnee zu wech ist, muss man sich selbst helfen. Das nächste Flugzeug, und somit die wirkliche Verbindung zur Außenwelt ist ca. 4 Flugstunden entfernt. 25 km entfernt gibt es lediglich eine kleine Militärstation der SIRIUS Patrouille, mit einer Handvoll Männern, die aber auch über kein Fluggerät verfügen. Wenn man dann noch selber bis zu 2 Stunden Skidoofahrt von der Forschungsstation entfernt ist, dann, ja dann spürt man wie klein und abhängig man wirklich ist. Diese Ausgesetztheit gibt einem aber auch ein unglaubliches Gefühl der absoluten Freiheit! Die absolute Stille (wie ich sie selbst in den Alpen kaum erlebt habe (weg. Flugzeugen)) ist etwas das wir nicht mehr kennen, an das man sich erst stark gewöhnen muss. Es hat etwas mysteriöses.
Personal SUMMARY
The 3 weeks spent at Zackenberg research station were certainly the most intensive days in my whole life until now. After Spitsbergen last February and March, this was one step further into the real Arctic wilderness and life. We had to take own responsability for all our activities, the security and the logistics during the measurement campaigns starting at Zackenberg. In an emergency situation there is no helicopter ready to go like here in the Alps, the IRIDIUM (satellite telephone) is the only connection to the outside world. If the snowscooter breaks down, you hurt yourself or you get stucked in the soft snow with your scooter, you have to help yourself. The next airplane that can really help you (if the weather is good) is some 4 flight hrs. away, which is the only REAL connection to the outside world. Daneborg, with the SIRIUS Team is only some 25 km away, but they don’t have a plane or heli neither. If , additionally, you are some 2 scooter hrs. away from Zackenberg itself, then you will feel how small and dependant you are in reality. But this total exposure gives you also a total feeling of freedom. The total silence (which i only really rarely experience in the Alps (due to people or airplanes)) is present there, at this place, in this moment. We are not used to this anymore, it is something you need to get to used to again, it has something mysterious!
Mehr Fotos gibt unter folgendem Link:
More photos are available here:
http://www.facebook.com/album.php?aid=24908&l=e1eef&id=586049021
Genauere Berichte und auch Fotos findet ihr im offiziellen Blog:
More detailed reports (in German) and photos can be found in the official blog:
http://www.sparklingscience.at/blog
Demnächst gibt es noch einen offiziellen Pressetext.
The is a press release comin in a few days as well.
Marc Olefs




